Deniz Utlu – Vaters Meer

„Wie verhalten sich der Vater, an den ich mich erinnern wollte, und jener, den ich erschuf, zueinander?“ (318)

Natascha Wodin – Der Fluss und das Meer

„Ich war in der Provinz der Nachkriegszeit aufgewachsen, und obwohl inzwischen längst in ein anderes Leben entkommen, wurde ich das Gefühl nicht los, immer noch gefangen zu sein in einem toten Winkel, in einer stillstehenden Zeit, die niemals enden würde.“ (81)

Katharina Mevissen – Mutters Stimmbruch

„Sie mustert ihr Gesicht, die Nase, die Falten, die Augen. Sie halten ihrem Blick stand, unbeeindruckt und blau. Es ist unzuverlässiges Blau. Manchmal zieht es sich zurück und wechselt ins Graue. Heute aber leuchtet es kräftiger, als Mutter zumute ist.“ (43)

Iris Wolff – Lichtungen

„In allem gab es diese Dunkelstellen, wo die Erfahrung aufhörte und die Erinnerung anfing. Etwas blieb, und etwas ging verloren, manches schon im Augenblick des Geschehens, und wie sehr man sich auch bemühte, es tauchte nie wieder auf. Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen.“ (76)

Charlotte Gneuß – Gittersee

„Seit Paul fortgegangen war, war jeder Tag ein Tag ohne ihn. Und jeder Tag änderte die Erinnerung. Ich wünschte, ich hätte wenigstens ein Fotos von ihm, doch ich hatte nur diese Skizzen, die Bahngleise, die Verse, das Gartenhaus und Steinfunde von der Ostsee. Wenn er jetzt unten stehen und pfeifen würde, was würde ich tun?“ (132)

Monika Helfer – Vati

„Nicht das Schreiben macht mich müde, auch nicht das Erinnern. Ich will müde sein. Ich setze die Müdigkeit professionell ein. Ich muss näher an die Träume heranrücken, noch nicht Schlaf, aber auch nicht mehr wach, dann funktioniert das Erinnern besser“ (37)

Olaf Kanter – Randmeer

„Wäre es nicht schön, wenn wir irgendwo Ecken in der Welt behielten, für die es noch keinen Raumordnungsplan gibt? Die einfach sind, wie sie sind, und so einen raren Blick gewähren auf Dinge, die von Ewigkeit sind.“ (120)

Solvej Balle – Über die Berechnung des Rauminhalts I

„ich bin gerade dabei, mir eine lange Reihe von Novembertagen ins Gedächtnis zurückzurufen, die in meiner Erinnerung allmählich ineinanderfließen. Es sind 121 Tage, an die ich mich zu erinnern habe. Wenn ich kann.“ (18)

Milena Michiko Flašar- Oben Erde, unten Himmel

„Einen Moment lang verlor ich die Orientierung. Oben und unten, Himmel und Erde. Der Regen war eine Wand aus Schnüren. Er verband Himmel und Erde miteinander. Und ob es daran lag? An dem unablässigen Rauschen, das das eine mit dem anderen verband?“ (140)