Iris Wolff – Lichtungen
„In allem gab es diese Dunkelstellen, wo die Erfahrung aufhörte und die Erinnerung anfing. Etwas blieb, und etwas ging verloren, manches schon im Augenblick des Geschehens, und wie sehr man sich auch bemühte, es tauchte nie wieder auf. Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen.“ (76)
Charlotte Gneuß – Gittersee
„Seit Paul fortgegangen war, war jeder Tag ein Tag ohne ihn. Und jeder Tag änderte die Erinnerung. Ich wünschte, ich hätte wenigstens ein Fotos von ihm, doch ich hatte nur diese Skizzen, die Bahngleise, die Verse, das Gartenhaus und Steinfunde von der Ostsee. Wenn er jetzt unten stehen und pfeifen würde, was würde ich tun?“ (132)
Monika Helfer – Vati
„Nicht das Schreiben macht mich müde, auch nicht das Erinnern. Ich will müde sein. Ich setze die Müdigkeit professionell ein. Ich muss näher an die Träume heranrücken, noch nicht Schlaf, aber auch nicht mehr wach, dann funktioniert das Erinnern besser“ (37)
Olaf Kanter – Randmeer
„Wäre es nicht schön, wenn wir irgendwo Ecken in der Welt behielten, für die es noch keinen Raumordnungsplan gibt? Die einfach sind, wie sie sind, und so einen raren Blick gewähren auf Dinge, die von Ewigkeit sind.“ (120)
Paul Auster – Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte
„Solange auch nur ein Mensch daran glaubt, gibt es keine Geschichte, die nicht wahr sein kann.“ (48)
Solvej Balle – Über die Berechnung des Rauminhalts I
„ich bin gerade dabei, mir eine lange Reihe von Novembertagen ins Gedächtnis zurückzurufen, die in meiner Erinnerung allmählich ineinanderfließen. Es sind 121 Tage, an die ich mich zu erinnern habe. Wenn ich kann.“ (18)
Milena Michiko Flašar- Oben Erde, unten Himmel
„Einen Moment lang verlor ich die Orientierung. Oben und unten, Himmel und Erde. Der Regen war eine Wand aus Schnüren. Er verband Himmel und Erde miteinander. Und ob es daran lag? An dem unablässigen Rauschen, das das eine mit dem anderen verband?“ (140)
Jane Campbell – Kleine Kratzer
„Pamela lag auf der Terrasse im Liegestuhl und reckte den Hals zur Sonne. (…) So hier zu liegen war natürlich schlecht für sie, schlecht für ihre alte, verwüstete Haut, aber es scherte sie nicht“ (139)
Caroline Wahl – 22 Bahnen
„Das sollte hier nie eine Liebesgeschichte werden. Das sollte wenn, dann Idas und meine, vor allem Idas Heldinnengeschichte werden, in der sich Ida von Mama befreit.“ (188)
Olga Tokarczuk – Gesang der Fledermäuse
„Die Tiere sagen etwas über das Land. Die Beziehung zu den Tieren verrät, wie es um das Land bestellt ist. Wenn sich die Menschen den Tieren gegenüber bestialisch verhalten, dann hilft ihnen keine Demokratie und auch sonst nichts.“ (120)
