Lutz Seiler – Die Zeitwaage
„Auf meinem Weg von der Garage nach Hause entfernte ich mich auf unumkehrbare Weise von dem, was mein bisheriges Leben ausgemacht hatte. Ich betrat einen leeren, erinnerungslosen Raum und kam gut darin voran, Schritt für Schritt und, gewissermaßen, Zug um Zug.“ (144)
Claire Keegan – Liebe im hohen Gras
„Als er losfuhr, sprang sie auf die Straße und hielt das Auto an. Dann stieg sie ein und verbrachte den Rest ihres Lebens mit einem Mann, der ohne sie nach Hause gefahren wäre.“ (161)
Deniz Utlu – Vaters Meer
„Wie verhalten sich der Vater, an den ich mich erinnern wollte, und jener, den ich erschuf, zueinander?“ (318)
Natascha Wodin – Der Fluss und das Meer
„Ich war in der Provinz der Nachkriegszeit aufgewachsen, und obwohl inzwischen längst in ein anderes Leben entkommen, wurde ich das Gefühl nicht los, immer noch gefangen zu sein in einem toten Winkel, in einer stillstehenden Zeit, die niemals enden würde.“ (81)
Katharina Mevissen – Mutters Stimmbruch
„Sie mustert ihr Gesicht, die Nase, die Falten, die Augen. Sie halten ihrem Blick stand, unbeeindruckt und blau. Es ist unzuverlässiges Blau. Manchmal zieht es sich zurück und wechselt ins Graue. Heute aber leuchtet es kräftiger, als Mutter zumute ist.“ (43)
Iris Wolff – Lichtungen
„In allem gab es diese Dunkelstellen, wo die Erfahrung aufhörte und die Erinnerung anfing. Etwas blieb, und etwas ging verloren, manches schon im Augenblick des Geschehens, und wie sehr man sich auch bemühte, es tauchte nie wieder auf. Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen.“ (76)
Charlotte Gneuß – Gittersee
„Seit Paul fortgegangen war, war jeder Tag ein Tag ohne ihn. Und jeder Tag änderte die Erinnerung. Ich wünschte, ich hätte wenigstens ein Fotos von ihm, doch ich hatte nur diese Skizzen, die Bahngleise, die Verse, das Gartenhaus und Steinfunde von der Ostsee. Wenn er jetzt unten stehen und pfeifen würde, was würde ich tun?“ (132)
Monika Helfer – Vati
„Nicht das Schreiben macht mich müde, auch nicht das Erinnern. Ich will müde sein. Ich setze die Müdigkeit professionell ein. Ich muss näher an die Träume heranrücken, noch nicht Schlaf, aber auch nicht mehr wach, dann funktioniert das Erinnern besser“ (37)
Olaf Kanter – Randmeer
„Wäre es nicht schön, wenn wir irgendwo Ecken in der Welt behielten, für die es noch keinen Raumordnungsplan gibt? Die einfach sind, wie sie sind, und so einen raren Blick gewähren auf Dinge, die von Ewigkeit sind.“ (120)
Paul Auster – Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte
„Solange auch nur ein Mensch daran glaubt, gibt es keine Geschichte, die nicht wahr sein kann.“ (48)
