Das Erzählen von Judith Hermann
… zwischen Sehnsucht und Vergeblichkeit Rastlose Figuren, schwebende Stimmungen, lakonisch-reduzierte Sprache – seit ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ (1998) gilt Judith Hermann mit ihrem besonderen Erzählstil als eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Im Roman „Daheim“ (2021) ist es ein entlegener Küstenort Frieslands, an dem die Autorin ihre Figuren nach Zugehörigkeit und Nähe und einer […]
Martin Rasper – An der Quelle
„Quellen sind einzigartige Elemente der Landschaft. Sie tragen den Zauber des Anfangs in sich. Sie halten den Kreislauf des Wassers in Gang, sie weben ein Netz des Lebendigen. Quellen sind Synapsen im Gedächtnis der Landschaft.“ (129)
Franziska Gänsler – Wie Inseln im Licht
„Durch das offene Fenster ist das Meer zu hören, und ich denke darüber nach, wo in diesen Wellen aus Leugnung, Wut, Depression, Verhandeln und Akzeptanz ich treibe“ (26)
Caroline Wahl – Windstärke 17
„ich würde ihn gern fragen, warum ihm leben gerade schwerfällt, aber ich denke, ich bin vielleicht jetzt gerade nicht in der besten Position, solche Fragen zu stellen.“ (101)
Anne Berest – Die Postkarte
„Mich erschreckt dieses unvermittelte, verstörende Eindringen vergangener Erlebnisse in die Gegenwart.“ (271)
Elizabeth O’Connor – Die Tage des Wals
„die Leute auf dem Festland wüssten kaum, dass die Insel da sei: Vielleicht würfen sie an einem klaren Tag einen Blick darauf, aber sie dächten nicht weiter daran, und ganz bestimmt wollten sie ihr keinen Besuch abstatten.“ (72)
Sonja Kettenring – Vom Krähenjungen
„[…] wenn es ein Märchen war, dann eins von denen, die man heutzutage beim Vorlesen lieber überblättert.“ (S. 184)
Mirrianne Mahn – Issa
„ich trage viele in mir. Und ich bin ein Teil von etwas Großem, das ich nicht ganz verstehe, aber kennengelernt habe und nicht mehr missen möchte.“ (268)
Judith Hermann – Aller Liebe Anfang
„Stella versucht, nicht an Mr. Pfister zu denken. Sie versucht, ihn umzubringen, indem sie nicht an ihn denkt, ihn aus ihrem Haus rauszukriegen, indem sie nicht an ihn denkt. Es ist unmöglich.“ (151)
Silke von Bremen – Stumme Zeit
„››Wer seine Pflicht hat treu getan, der freue sich am Ende‹‹-ohne dass es ihr klar war, hatte sich dieser Leitsatz, die Inschrift auf der Grabtafel der Familie Petersen, in jede ihrer Zellen eingenistet und forderte täglich seinen Tribut.“ (29)
