Mara Floren – Palastplatte

Ein Sommer vor der deutsch-deutschen Wende, weit vor Google. Für die zwölfjährige Henri bleibt er unvergesslich, diese flirrende, kaum greifbare Zeit mit Mo: Stunden im Freibad, während Henri Bahnen zieht und Mo Kafka liest. Sie teilen sich Pommes, hören A-ha auf dem Walkman und rücken auf der Decke immer näher zusammen, bis Henris Haut zu knistern beginnt.

Während die Benetton-Mädchen ihres Gymnasiums in die Ferne reisen, bleiben Henri und Mo als einzige in den Ferien in ihrer Hochhaussiedlung. Hier werden auf dem Spielplatz auch mittags schon mal Bierdosen weggezischt und der Fahrstuhl ist regelmäßig kaputt. Und trotzdem nennen sie ihr Zuhause liebevoll PALASTPLATTE. Sie wissen, dass sie hier Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die aufeinander Acht gibt. Nur hier sehen sie auf dem Dach ihren Schnuppenschauer.

„Wenn ich an die Palastplatte denke, dann ist es der Kronsaal, der mir einfällt, und Herbert mit seiner riesigen Patchworkdecke. Dann denke ich an Lucy, die an den Donnerstagen nach dem Ballett immer ganz aufrecht über ihren Wachsmalstiften saß“ (39)

Doch es ist auch der Sommer, in dem Henris Vater sich plötzlich verändert. Er tut Dinge, an die er sich später nicht erinnert. Henri erstarrt zwischen Sorge und Schuldgefühlen. Immer wieder hat sie das Gefühl, selbst nur knapp etwas entronnen zu sein. Bald weiß sie selbst nicht mehr, ob sie Geister sieht oder nur über sie schreibt. Und ob diese Geister gut oder böse sind. Aber Mo bleibt. Unbeirrbar und kämpferisch. Sie hält Henri fest und erzählt von ihrem kleinen Geisterbruder.

„Das war das erste Wunder, das wir entdeckten. Dass wir zu zweit eine ganze Welt sein konnten. Alles andere war nur noch überflüssiges Rauschen.“ (122)

Aber was wird aus zwei Palastplatten-Mädchen, wenn der Sommer endet? Wenn sie erwachsen werden? Wenn Angst und Wut sich zwischen ihre Liebe drängen und wenn das Loslassen von den Eltern größten Mut verlangt?

Huupsi, ich habe mich ein bisschen verliebt in PALASTPLATTE: In diese flimmernde, fast verfluchte Verliebtheit zwischen Ich-Erzählerin Henri und Mo, die sich aus einem einzigen Sommer über Jahrzehnte entfaltet. Und auch in die schonungslose, zugleich zarte Erzählung davon, welche Wucht psychische Erkrankungen in Familien bedeuten können.

Eine dichte Mischung aus 80er-Jahre-Coming-of-Age, zärtlicher Liebesgeschichte und leiser Geistererzählung.

Sehr gerne gelesen!

[Werbung, Rezensionsexemplar]

Infos zum Buch

Genre Roman
Verlag
Schöffling
Seitenzahl 224
ISBN 978-36909702-04
Erscheinungsdatum 17.03.2026

Vielen Dank an den Schöffling Verlag für das Rezensionsexemplar!