Julia Weber – Weil ich Ruth bin

Ruth kommt mit einem dichten Fell auf die Welt, wie zuvor auch ihre Mutter und Großmutter. Obwohl die fellige Ruth die Menschen irritiert, fühlen sie sich stark zu ihr hingezogen, möchten in ihrer Nähe, später unter ihrer Decke sein. Ruth selbst irritiert wenig. Ihrem Namen entsprechend scheint sie in sich zu ruhen. Als Erwachsene verliert Ruth zwar ihr Fell, doch sie behält eine besondere Gabe.

Ruth kann Menschen in Tiere verwandeln: Regenwurm, Schwalbe, Languste, Schlange, Schildkröte, Libelle, Fledermaus – dies sind nur einige der Tiere, in die sie verschiedene Personen für eine kurze Dauer verwandelt. Meist wünschen sie sich diese Verwandlung, doch zuvor wissen sie nicht, zu welchem Tier sie werden. Tief in ihnen sitzen diese Tieridentitäten und treten in intimen Momenten hervor, wenn Ruth sie ‚wachküsst‘. Als Tier können sie für einen Augenblick das enge Korsett von Zuschreibungen und Entsprechungen, von Angst und Erschöpfung ablegen. Sind nur sie selbst. Doch die Verwandlung birgt auch Gefahren: Die Menschen dürfen nicht vergessen, wer sie sind.

Ob als Vaterfiguren – Ruth selbst hat keinen Vater, sucht ihn aber beständig – oder als Beziehungspartner: Männer lassen meist alles schwer werden und engen Ruths liebste Menschen ein. Deshalb verwandelt Ruth manchmal Männer dauerhaft, ‚zähmt‘ sie als Molch oder Maus. Doch die Fragen, was Unabhängigkeit und Freiheit bedeuten, kann sie dadurch nicht klären. Staunend, manchmal verzweifelt muss sie miterleben, wie ihre Mutter, ihr Freund Toni oder ihre große Liebe Linda sich nicht von Männern distanzieren, obwohl diese ihnen schaden.

Ruth muss erkennen, dass nicht jeder Mensch verwandlungsfähig ist. Dass manche Menschen, insbesondere diejenigen, die sie innig liebt, unter Traurigkeit und Schwere leiden, die sie nicht heilen kann.

Mit ihrer sinnlichen Sprache und der ebenso rätselhaften wie zugewandten Ich-Erzählerin Ruth erschafft Julia Weber einen magischen Roman, der von Zugehörigkeit und (Un)Angepasstheit, Körperlichkeit und seelischer Versehrtheit erzählt – und von der schmerzhaften Erkenntnis, dass Liebe nicht jede Verwandlung bewirken kann.

[Werbung, Rezensionsexemplar]

Infos zum Buch

Genre Roman
Verlag
Limmat
Seitenzahl 464
ISBN 978-3039261-017
Erscheinungsdatum 19.02.2026

Vielen Dank an den Limmat Verlag für das Rezensionsexemplar!