Adrian Asllani und Larissa Schneider (Hrsg.) – Nordsee
- Stephanie Schaefers
- Juni 21, 2026
- #anthologie, #diogenes, #meer
Einmal kurz an die Nordsee, in verschiedene Zeiten und Stimmungen? Von Sylt über Amrum bis Norderney, hinaus ins Watt, hinauf zum norwegischen Fjord und zwischen windschiefe Häuser und Salzwiesen der friesischen Küste. Diese Anthologie führt an viele bekannte Nordsee-Orte, auf Fähren, zu ostfriesischen Teezeremonien und Wattwanderungen. Und immer wieder dorthin, wo das Reale ins Mythische übergeht: Zu Geistern und Hexen, zum Schimmelreiter oder ins versunkene Rungholt.
Klassische Erzählungen von Theodor Storm und Marie Luise Kaschnitz stehen neben Auszügen aus Gegenwartsromanen, etwa von Dörte Hansen, Daniela Krien oder Trude Teige. So entsteht aus 16 Prosastücken ein vielstimmiges Panorama des Lebens zwischen Ebbe und Flut, Deich und Dünen. Die Nordsee erscheint dabei als raue, unberechenbare Konstante – und als Ort voller verborgener Geschichten.
Persönlich hätte ich mir mehr abgeschlossene Kurzgeschichten statt der zahlreichen Romanauszüge gewünscht. Diese sind zwar thematisch treffend ausgewählt, wirken aber mitunter unvollständig. Die exklusiven, miteinander verbundenen Beiträge von Sebastian Stuerz, Sylvie Gühmann und Jan Brandt zeigen, wie bereichernd eigens für die Anthologie geschriebene Texte sein können – davon hätte ich mir noch mehr gewünscht.
Auch wenn ich mir noch mehr unveröffentlichte Geschichten gewünscht hätte, kann ich die Anthologie allen ans Herz legen, die die Nordsee lieben (oder kennenlernen möchten). Die Sammlung steckt voller Küstenflair und zeigt, wie vielfältig sich das (Watten)Meer literarisch erzählen lässt.
Eine kürzere Version meiner Besprechung ist im Bremer Am Meer Magazin (Ausgabe 5/2026) zu finden. Herausgegeben vom Speicher Verlag, der Gestaltungsagentur Blaukontor und dem Buchladen Logbuch.
[Werbung, Rezensionsexemplar]
Infos zum Buch
Genre Anthologie
Verlag Diogenes
Seitenzahl 272
ISBN 978-3257248-470
Erscheinungsdatum 25.03.2026
Vielen Dank an den Diogenesverlag für das Rezensionsexemplar.
